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  1. WR724 Bestattung | WRINT: Wer redet ist nicht tot

    Also ich muss hier mal ein paar Worte trotz des kirchenhassenden Holger Klein schreiben.

    Eric sprach u.a. von einem Innovationsgefälle Nord-Süd und begründete dies u.a. mit Trauergruppen. Das mag sein, dass das formal so ist und ich finde auch gut, dass es das gibt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass eben nicht nur (wie Holgi behauptet) an den Traditionen gerüttelt wird und die kath. Kirche beharrlicher ist.

    Ich glaube, dass im Süden einfach noch ein gelebter Katholizismus da ist. Da wird Kirchweih gefeiert und die Kirche gehört zum Leben, genau wie deren Werte. Man ist dort noch eingebunden und hat vermutlich einfach einen anderen von außen unsichtbaren Trauerbegleitprozess.

    Ich kenne das aus meiner Erfahrung: Wenn bei uns nun jmd. in der Kirchgemeinde stirbt, ist es häufig kein unbekannter Mensch. Man kennt die Familie. Die Gemeindemitglieder melden sich, helfen (je nach Nähe mehr oder weniger), der Parrer führt min. 2 Gespräche und nimmt sich Zeit die Bestattung durchzugehen.

    Da die Kinder in der Regel Messdiender gewesen sind und häufig Erwachsene auch noch Messdiener sind, ist es ganz üblich, dass auch Beerdigungen ministriert werden. Dass Kinder Beerdigungen in Großstädten ministrieren ist unüblich, hat einfach damit zu tun, dass die Friedhöfe Zeiten vorgeben, bei denen die Kinder in der Schule sind.

    Da wo die Friedhöfe den Kirchen noch gehören und die Zeitfenster frei verfügbar sind, machen das auch Kinder und Jugendliche.

    Tod und das Sterben sind also nicht so ganz weit weg. Wenn ein 12 jähriger Junge am Kopfende des Sarges steht und an seinen Fußspitzen ein Sarg hinunter gelassen wird, ist das ein beeindruckender Moment, den er nicht so schnell vergisst. Und so ist und bleibt der Tod einfach ein Bestandteil des Lebens und eine Beerdigung ist nichts besonderes. Es ist einfach klar, dass das dazu gehört.

    Im Eichsfeld wird es wohl auch weniger von außen sichtbare Trauerarbeit geben, obwohl es in Niedersachsen ist.

    Ich bin mir nicht ganz sicher ob mein Punkt rüber gekommen ist, aber ich wollte vermitteln, dass Innovationen wie das was Holger „psycho-soziale Begleitung“ nennt, vielleicht schlicht nicht von dritten gemacht werden muss, da es selbstverständlich ist, dass der Trauernde nicht allein bleibt. In der Folge eben auch keine Angebote von Vereinen o.Ä. nötig sind. Es einfach selbstverständlicher und von außen unsichtbarer geschieht. Allein wenn ein Requium für einen Verstorbenen in der Gemeinde gefeiert wird, ist das ja schon ein Teil der Anteilnahme, oder wenn schlicht Messen für bestimmte Verstorbene aufgeopfert werden. Das kann ein Außensehender oder Kirche feindlich gesinnter Holger vielleicht nicht nachvollziehen. Aber den Menschen bedeutet das durchaus viel und ist ein wichtiger Teil des Abschiednehmens.

    R.I.P.; also requiescat in pace; ist nicht nur eine leere Wortgruppe.

    https://wrint.de/2017/08/20/wr724-bestattung/

    —Huffduffed by pattulus