Wissen - Denken - Meinen - Starautor Tellkamp und seine Aussagen über Flüchtlinge, Pegida und die AfD | radioeins

Nein, natürlich nicht. Es ist nie richtig, eine politische Meinung ausschließlich durch Twittern kundzutun, das zeigt ja schon, dass man zu einer ausführlichen Begründung dieser Meinung nicht willens oder nicht in der Lage ist. Und noch schlimmer finde ich, wenn die Leute anonym twittern: Man weiß ja bis heute gar nicht, wer da für den Suhrkamp Verlag gesprochen hat. Die Verlegerin? Die Pressestelle? Der Social Media Praktikant? Der Twitter-Knecht aus dem outgesourceten Marketing-Start-Up? Völlig unklar.

Das wäre was Anderes, hätte sich die Verlegerin Ulla Berkewicz mit Gründen gegen ihren Autor gewandt, hat sie aber nicht, damit ist die ganze Sache wertlos und spielt nur jenen in die Hände, die jetzt wieder die angebliche Zensur von links beklagen. Wobei das von Rechts in diesem Zusammenhang vorgebrachte Argument, dass man als Autor eine politische Meinung haben darf, als Verlag jedoch nicht, genauso interessant ist: Gerade Uwe Tellkamp hat ja kürzlich eine publikumswirksame Petition unterschrieben dafür, auf der Leipziger Buchmesse, die übermorgen beginnt, gerade auch rechten Verlagen ein Podium zu geben. Aber warum sollte man das tun, wenn man der Meinung ist, dass Verlage gar keine politische Meinung haben dürfen?

Rechte Verlage definieren sich über nichts anderes als über ihre politische Meinung und hätten dementsprechend im literarischen Diskurs nichts zu suchen. So hat der ganze Streit also doch klärenden Charakter! Ich möchte mich hiermit den Verteidigern von Uwe Tellkamp anschließen und fordere: Rechte Verlage sollten sofort und komplett von der Buchmesse und aus allen darüber berichtenden Medien ausgeschlossen werden.

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