Thomas Metzinger über künstliche Intelligenz und Ethik

Die künstliche Intelligenz weckt grosse Hoffnungen, aber sie wirft auch schwierige ethische Fragen auf. Die EU habe mit eigenen Ethik-Richtlinien ein starkes Zeichen gesetzt, findet der deutsche Philosoph Thomas Metzinger im «Tagesgespräch». Gleichzeitig sei das Ergebnis enttäuschend und lauwarm.

Keine Technologie drängt so stark in unser Leben und wirft gleichzeitig so drängende ethische Fragen auf wie die künstliche Intelligenz. Wie gehen wir damit um, wenn intelligente Maschinen darüber entscheiden, wer einen Kredit erhält? Oder wenn ein Algorithmus Job-Bewerber aufgrund ihrer Datenspuren im Internet auswählt? Noch weiter geht China mit einem geplanten Social-Credit-System, mit dem es seine eigenen Bürgerinnen und Bürger bewerten will. Den Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Aber wer achtet dabei auf die Rechte und Bedürfnisse der Menschen? Wer setzt sich für einen ethischen Umgang ein? Die EU hat kürzlich ihre Richtlinien für einen ethischen Umgang mit künstlicher Intelligenz vorgestellt. Über 50 Experten hatten während Monaten an diesen Richtlinien gearbeitet. Auch der deutsche Philosoph Thomas Metzinger war Teil des Gremiums. Metzinger ist Professor für theoretische Philosophie an der Universität Mainz und beschäftigt sich seit über drei Jahrzehnten mit künstlicher Intelligenz und Ethik. Er sagt: Diese Ethik-Richtlinien sind das Beste, das es auf dem Planeten gibt. Gleichzeitig ist er nicht zufrieden mit dem Resultat. Wie geht das zusammen? Thomas Metzinger ist Gast von Barbara Peter.