WR1009 Das ostdeutsche Gefühl – WRINT: Wer redet ist nicht tot

Nun, wenn man in NPD, AfD, FDP und CDU/CSU eine Form von nationalsozialistischer Einheitspartei sieht, dann ist wohl in der Tat das halbe Land von Nazis bevölkert. Blöderweise müsste man dann aber immernoch konkret darlegen, was Sachsen dann so besonders machen soll, diese Parteien sind bundesweit am Start.

Der inflationäre Gebrauch der Bezeichnung “Nazi” beschreibt nicht das Problem, er ist ein Teil des Problems.

Seine pauschalierte Anwendung gegenüber allem, was als “rechts” wahrgenommen wird, imho sogar dessen, was innerhalb eines völlig legitimen politischen Spektrums eher rechts der eigenen Position steht, normalisiert diesen Begriff, nimmt ihm seine Wirkmacht und verharmlost damit letzten Endes die Nazidiktatur.

Mit der Bezeichnung “Nazi” macht man sich einen schlanken Fuß. Es ist schön bequem. Man braucht seine eigene Haltung nicht begründen. Man entzieht dem Anderen jegliche Diskursberechtigung, mit Nazis redet man ja nicht. Man braucht noch nicht einmal zu begründen, was den Anderen denn nun konkret zum Nazi macht. Im Grunde sagt man damit garnichts, man wertet den Anderen lediglich ab. Es ist ein Totschlagargument.

Und es hat keinerlei Nutzen, im Gegenteil.

Der so Betitelte fühlt sich mit Massenmördern auf eine Stufe gestellt und empfindet diese Gleichstellung, völlig zu Recht, als extremste Form der persönlichen Beleidigung. Er wird darauf immer mit extremster Ablehnung reagieren.

Der Bezeichner, der damit moralische Überlegenheit demonstrieren will, erreicht so das genaue Gegenteil dessen, was er eventuell beabsichtigt. Der als Nazi Bezeichnete wird seine Ansichten nicht ändern, er wird sogar darin bestärkt. Denn wenn seine Ansichten mit nichts anderem als eklatanten Beleidigungen überzogen werden, hat die Gegenseite ja offensichtlich keine besseren Argumente. Wer nimmt solche Leute schon ernst? Warum sollte man solche Leute überhaupt ernst nehmen?

In der Realität sorgt das nur dafür, das sich der Extremismus im Denken und Handeln gegenseitig aufschaukelt. Man schaue sich im Zweifel die aktuelle Situation im Land an, die spricht für sich.

Das nur allgemein mit der Bitte um Beachtung.

Es gibt zwei Gründe, warum ich DAT’s Behauptung heftig widerspreche:

Zum Ersten ist es nur eine Behauptung. Trotz wiederholter Nachfrage ist er(?) nicht willens oder in der Lage, vernünftige Belege für seine Behauptung zu erbringen und die “Begründung”, die er versucht, kann man bestenfalls nur als intellektuell harmlos bezeichnen. Es ist schlicht eine Zumutung, der billige Versuch, mit Stammtischargumenten Anklang zu finden, in der Hoffnung, weil es sich ja gegen “Nazis” richtet, somit die Richtigen trifft, wird schon niemand so genau hingucken.

Zweitens, und dieser Punkt ist imho der Wichtigere, diffamiert er pauschal gut 2 Millionen Menschen, er wertet sie ab, indem er sie als “Nazis” verächtlich macht.

Das pauschale Diffamieren von Menschen ist bekanntermaßen in rechtsextremen und neofaschistischen Kreisen beliebtes Stilmittel und ist aus offensichtlichen Gründen nicht tolerabel.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, diese Methoden doch zu tolerieren, nur weil der Adressat der pauschalen Diffamierung wechselt.

https://wrint.de/2019/10/31/wr1009-das-ostdeutsche-gefuehl/