IM1615: Le Brunch - Keyseller: Direkter Schaden für Entwickler? - Insert Moin | Insert Moin

Zunächst einmal, weil es hier nun auch in den Kommentaren gefragt wurde ein Link vorweg.

Wer sich fragt, welcher Seller nun autorisiert ist und wer nicht, der kann auf keyradar.com vorbeischauen. Dort werden soweit ich das beurteilen kann, alle Seiten, die Keys verkaufen, korrekt als autorisiert, nicht autorisiert und “mixed” angegeben. Wer aber hinter dieser Seite steht, kann ich nicht klar sagen.

Zum Podcast selber:

Erstmal ein großes Lob. Ich habe bisher glaube ich noch keinen Podcast order Artikel gesehen, der so ausführlich auf das Thema eingegangen ist, und soviele Aspekte abgedeckt hat. Auch wenn man beim Andre schon durch seine wiederholten “aber” Einwürfe schon so ein bischen den Drang erahnen konnte, es sich nicht bei mehr Hörern als nötig verderben zu wollen.

Trotz allem gibt es aber noch ein paar Punkte, zu denen ich noch etwas anmerken wollte:

-Sperren von Keys, die nicht legitim bezahlt wurden: Ich vermute, dass eines der Probleme ist, dass niemand vorweg gehen möchte um das ganze durchzuziehen. Ich finde es sehr schade, dass UBI-Soft den Schwanz eingezogen hat und dann einige der Keys nicht gesperrt hat. Wenn jeder Händler (entsprechende Software vorausgesetzt) hingehen würde, und alle Keys sperren würde, die nicht korrekt bezahlt wurden, so dass es zur “Normalität” werden würde, dass Keys von Resellern gesperrt werden, dann wäre auch nicht der Aufschrei so groß, und statt “Ubisoft ist böse, die sperren die Keys ihrer Spieler” hieße es dann vermutlich auch eher “Du bist auch blöd, bei G2A keys zu kaufen”.

-Standort: Eine Sache, die nicht im Podcast angesprochen wurde, war der Standort der Keyseller. Wenn ihr einmal nachschaut, wo diese Firmen ihren Sitz haben, werdet ihr bei denen, die das überhaupt öffentlich machen, auch schnell sehen, dass sie in China sitzen. Beispiele wären G2A, aber auch die im Podcast bereits erwähnten Händler Kinguin und MMOGA. G2A und Kinguin haben ihren Sitz in Hong Kong, und MMOGA in Foshan.

Nun kann ich nicht klar sagen, welche Implikationen das hat, aber ich vermute mal, dass rechtliche Gründe eine große Rolle spielen dürften als auch der Zugang zu den unterschiedlichen Regionalmärkten. Ich weiss zumindest von jemanden aus Malaysia, dass man dort Zugriff auf gleich 4 Regionen hat.

Ohne jetzt China grundsätzlich verdammen zu wollen, würde ich es mir aber auch zwei mal überlegen, dorthin meine Zahlungsdaten zu schicken, auch unter Berücksichtigung der anderen Umstände, die da wären:

-Versicherung: Nicht angesprochen wurde auch, dass Shops wie G2A sogar eine extra Versicherung bieten, mit der man sein Geld auch zurückerhält, sollte der Key gesperrt werden. Ich denke das zeigt noch eine Ecke weiter, wie “seriös” die Händler sind.

-Spamming in Foren: Auffällig werden die Reseller auch häufig auf Foren. Das sind dann zwar nicht die Firmen selber, sondern irgendwelche Händler daraus, aber dass die Praxis überhaupt angewandt wird, sollte einem schon zu denken geben. Persönlich bin ich beispielsweise auf rpgwatch sehr aktiv, und da sieht man schonmal Spam Links dieser Händler aufploppen, bevor die dann von der Moderation wieder gelöscht werden. Bei größeren Seiten, wie beispielsweise auch PCGAMER, werden sämtliche Kommentare mit solchen Links direkt gelöscht.

-Account und Goldverkauf: Accountverkauf ist ganz klar gegen die Nutzungsbestimmungen von fast allen Firmen. Und trotzdem bieten die Key Reseller, so etwas an. Es wird also bewusst etwas verkauft, das man nicht verkaufen darf. So wurde beispielsweise bereits 2015 von Riot (League of Legends) verboten G2A als Werbepartner für professionelle E-Sports teams zu verwenden, da diese Accountselling angeboten, oder zumindest dafür geworben haben. MMOGA wiederum verkauft (oder linkt auf Seiten, die sie verkaufen) neben Accounts auch Gold in MMOs. Mal abgesehen davon, dass das grundsätzlich schon nicht erlaubt ist, stammt mindestens ein Teil des Goldes dann von Bots und gehackten Accounts. Und da kann ich Herrn Peschke auch nicht ganz glauben, dass er das nicht direkt auf dem ersten Blick, den er auf MMOGA geworfen hat, gesehen hat.

Persönlich habe ich mich wegen MMOGA ebenfalls mehrfach bei Gamestar beschwert und aus dem Grund auch nichts von der Gamestar weitergelinkt, insbesondere, da man mit einem verlinkten Youtube Video, da der MMOGA Link an erster Stelle in der Beschreibung steht, noch auf Facebook direkt die Werbung für MMOGA weitergegeben hat.

-Konsequenzen: Ich Stimmte Peschke absolut bei den Konsequenzen zu, die es haben könnte “wenn es jeder machen würde”. Schlussendlich könnte es, wie angesprochen dadurch zukünftig einen globalen Mindestpreis geben, andere Monetarisierungsmethoden werden dadurch gefördert und, was nicht angesprochen wurde: Regionlocks oder Sprachbeschränkungen werden ebenfalls gefördert. Ein russischer Key würde beispielsweise nur noch ein Spiel mit russischer Sprache aktivieren.

Etwas, das viele Spieler zurecht hassen, für das sich aber viele indirekt durch den Kauf der Keys von solchen Seiten aktiv einsetzen.

-Globalisierung: Das Argument mit der Globalisierung ist gefallen und auch sehr schön fand ich, dass erwähnt wurde, dass die Kritik und Prinzipien, dann wenn es ums Zahlen geht, dann doch von vielen über Board geworfen werden.

Was ich aber in dem Zusammenhang noch erwähnen möchte ist, dass die Spiele-Industrie eben nicht allgemein von der Globalisierung profitiert wie jede andere Industrie wie Manu meinte. Klar, physische Inhalte von Collectors Editions, genauso wie Packungen und Co werden vermutlich zum größten Teil in Asien hergestellt. Aber der allergrößte Anteil, also der zur Produktion des eigentlichen Spiels, und bei kleineren Unternehmen sind das auch 100%, hat eben keine Auslagerung nach Asien. Wenn ein kleines deutsches Entwicklerstudio ein Spiel digital über steam vertreibt, dann kann man dort nicht argumentieren, dass dieses Studio Teile durch Billigarbeitskraft im Ausland hat herstellen lassen und man nun ebenfalls von der Globalisierung profitieren will.

Ganz davon abgesehen, dass die Idee der Globalisierung ja auch darin besteht, dass “einfacherere” Arbeiten auf “billigere” Länder ausgelagert werden, welche selber nicht im “high end” Sektor so aktiv sind und so durch die Auslagerung der einfacheren Arbeit gefördert werden. Ob das nun funktioniert oder nicht, lass ich mal dahingestellt. Aber der Aspekt würde beim Kauf von Billig-Keys aus den Regionen bei der Argumentation der Globalisierung umgangen werden.

-Sponsoring: Sehr schön fand ich auch, dass Manu das Sponsoring durch Keyseller angesprochen hat, das nicht hinterfragt wird (oder wo es den Leuten einfach völlig schnurz ist).

Durch dieses Sponsoring, auch zB durch seriös anmutende Seiten wie der Gamestar, wird der Eindruck geschaffen, dass auch diese Reseller Seiten seriös sind. Das Problem ist auch, dass Spieler denken, dass Keys legitim sein müssen, weil sie ja funktionieren und das auch als Argument für weitere Werbung verwenden. Man findet in fast jedem Thread zum Thema “Ist Seite XYZ legit?” einige Antworten in dem Stil “Ich hatte mit denen noch nie Probleme”. Und solange die Keys von den Anbietern nicht konsequent gesperrt werden, wird sich das auch nur schwer ändern.

Schön finde ich in dem Zusammenhang aber, dass sich nun auch größere Internet Persönlichkeiten gegen unautorisierten Key Sellern äussern, wie auch The Cynical Brit / Total Biscuit: “As we’ve been saying for years. G2A is literally a fence for stolen goods”, “Disclaimer: We are sponsored by G2As direct competition: Legally sold goods.”

-Raubkopien: Schön auch der Vergleich mit dem Raubkopieren und im Grunde wird das sogar indirekt von Entwicklern gesagt. Devolver Digital haben beispielsweise schon mehrfach Probleme mit Key Reseller angesprochen “Devolver Digital games purchased on @G2A_com are not legitimate, not guaranteed, and not supported. We are actively canceling those keys.” (2014).

Als sich dann angekündigt hatte, dass eines ihrer Spiele (Hotline Miami 2) möglicherweise nicht in Australien vertrieben werden kann, haben sie auch nicht auf diese Reseller hingewiesen, sondern den Spielern gesagt, sie sollten das Spiel halt dann raubkopieren “If it ends up not being release in Australia, just pirate it after release. No need to send us any money, just enjoy the game!”

Wie immer, bischen viel Text geworden, aber vielleicht war ja noch das eine oder andere Informative dabei. :)

http://insertmoin.de/im1615-le-brunch-streitfrage-keyseller-direkter-schaden-fuer-entwickler/

Also huffduffed as…

  1. IM1615: Le Brunch – Keyseller: Direkter Schaden für Entwickler?

    —Huffduffed by naaarf on